Berchtesgadener Schüsselkäse – Eine alte, fast ausgestorbene Käsespezialität aus Bayern
Der Berchtesgadener Schüsselkäse, regional auch „Schüsslkas“ genannt, zählt zu den ältesten traditionellen Käsespezialitäten des südostbayerischen Alpenraums. Das Verbreitungsgebiet beschränkte sich vor allem auf das Berchtesgadener Land sowie die Regionen Reit im Winkl und Ruhpolding. Ähnliche Käsesorten werden auch in den österreichischen Nachbarregionen Pinzgau und Tirol hergestellt, wo sie als Graukäse, Speekas oder Broadakas bekannt sind. Käsesommelier Hannes Stöckl war im Sommer auf der Priesbergalm und hat dort Senner Thomas Huber bei der Herstellung über die Schulter geschaut.
Er wird aus Magermilch hergestellt und besitzt einen sehr geringen Fettgehalt von unter einem Prozent. Die Entstehung dieses Käses geht auf die alpine Almwirtschaft zurück, bei der der wertvolle Rahm zur Butterherstellung verwendet wurde. Aus der verbleibenden Magermilch entstand als eiweißreiche Nahrungsmittel der Schüsselkäse.
Traditionell wurde er auf den Almen hergestellt, wo die Milch ohne Zusatz von Lab oder speziellen Kulturen allein durch natürliche Milchsäurebakterien gerinnen durfte. Nach dem Erhitzen und Abtropfen wurde der Sauermilchquark gesalzen und in einer Schüssel gelagert und regelmäßig umgerührt. Daher stammt auch der Name „Schüsselkäse“. Er hat eine kurze Reifezeit aber auch eine geringe Haltbarkeit, es ist ein Käse für den schnellen Verzehr oder zum Kochen.
Heute wird der Schüsselkäse nur noch von wenigen Almen und Betrieben nach traditioneller Art produziert. Er gilt als bedeutendes kulinarisches Kulturerbe der Region und wird meist auf Brot, in Kasnocken oder Kaspressknödeln serviert. Sein kräftiger, mit zunehmender Reife würzig Geschmack macht ihn zu einer besonderen Spezialität der Berchtesgadener Alpen.